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Newsletter vom 24. Februar 2011
Frankfurt am Main, den 24. Februar 2011
Wir gratulieren zu
70 Jahre Plektrum-Gitarrenschule von Hans Korseck
Hans Korseck (1911-1942) gilt in Fachkreisen bis heute als der erste bedeutende deutsche Plektrumgitarrist und seine Schule ist ein Klassiker. Korseck war Mitglied der 'Peter Kreuder Solisten', ständiger Gitarrist bei Aufnahmen der Kapellen 'Kurt Hohenberger'; 'die goldene Sieben'; 'Albert Vossen'; 'Peter Igelhoff' und andere mehr. Nebenbei unterrichtete er auch heimlich: "Hoffentlich macht mir die R.M.K. (Reichsmusikkammer) keine Schwierigkeiten, dass ich Unterricht gegeben habe, ohne Genehmigung!", schrieb er seinem Verleger Wilhelm Zimmermann (1891-1946). Einer seiner bekanntesten Schüler war der Jazz-Gitarrist Coco Schumann.
Der Vertrag über die Schule mit Hans Korseck wurde im Oktober 1940 abgeschlossen. Schon im Januar 1941 trieb Wilhelm Zimmermann ihn mit den Korrekturen zur Eile an: "Es ist wichtig, dass das Werk schnell herauskommt. Sie wissen, wie oft ich dies gesagt habe. Sie wissen auch, dass ich vor Konkurrenz keine irgend wie geartete Angst habe, aber schade wäre es doch, wenn uns die im Podium (Musikzeitschrift) angezeigte Schule zuvor käme, da der jeweils erste Bedarf von der jeweils erst erscheinenden Schule gedeckt wird." Im März war es soweit. Das war knapp, denn ein paar Tage später schon lehnten die Buchbindereien eine so spezielle Herstellung, wie die der Tabellen, glatt ab. Man befand sich schließlich mitten im 2. Weltkrieg. Am 9. April waren bereits 850 Exemplare abgesetzt. Die Eile hatte sich gelohnt, war es doch die erste Schule für Plektrum-Gitarre auf dem Markt. Zimmermann schrieb darüber: "Es ist beinahe ein Wunder. Heute wäre es bestimmt schon nicht mehr möglich." 1944 waren bereits drei Auflagen à 2000 Ex. gedruckt worden und die 4. Auflage in Vorbereitung.
Doch das erlebte der junge Musiker und inzwischen ausgebildete Mediziner nicht mehr. Sein letztes Lebensjahr war geprägt von Engagements, Medizinstudium und gesundheitlichen Problemen seiner jungen Ehefrau Hilde, die eine Fehlgeburt erlitt. Am 21.1.1942 schrieb Korseck seinen letzten Brief an Wilhelm Zimmermann: "Ihr Brief war Balsam für meine Wunden. Mit gleicher Post kam ein Einberufungsbefehl, dem ich morgen Folge leisten muss.[...]. So fahre ich also morgen, Gott sei Dank nur nach Spandau, um in acht Wochen Laufen, Gehen u. Grüssen zu lernen." Ein halbes Jahr später starb Korseck durch Kopfschuss bei den Kämpfen bei Orel, gerade mal 31 Jahre jung.
Seine Witwe schrieb an Wilhelm Zimmermann: "Im Oktober erwarte ich noch ein Kindchen von ihm. Das ist dann das Einzige, was mir bleibt. Aber ich bin dankbar dafür." Für Hilde Korseck hatte die Plektrum-Gitarrenschule eine besondere Bedeutung: "Ich bin ja auch so froh, daß Hans sich in dieser Schule wenigstens einen sichtbaren Abschluß seiner musikalischen Laufbahn geschaffen hat." Am 14.5.1944 meldete sie sich wieder aus Freiburg: "Man hört so viele entsetzliche Dinge. Und man darf fast annehmen, dass es noch nicht das Schlimmste war. Wenn ich mich an die Zeit in Leipzig im Hotel Fürstenhof erinnere, als mein lieber Mann und ich fleissig Tag und Nacht arbeiteten, um zu helfen die Plecktrum Guitarrenschule auf die Beine zu stellen, kommt es mir wie ein Märchen vor."
Hilde Korseck hatte Recht. Sie erwarteten schwere Zeiten: Flucht aus Marienbad, wo sie sich wegen eines schweren Beinbruchs aufgehalten hatte, Hunger, Leben auf der Landstraße und schließlich Gefängnis in Brandenburg, weil sie keine ordentlichen Papiere hatte. Ihr Vermieter in Berlin ließ sie nicht mehr im Haus wohnen, weil sie nunmehr alleinstehend war. Auch das Kind, das sie 1941 erwartete, überlebte nicht. Nach dem Krieg arbeitete sie für die Amerikaner und konnte so ihre Eltern durch den harten Winter bringen. Doch auch ihr Vater starb. Erst allmählich ging es wieder bergauf. Hilde Korseck erhielt eine Studienerlaubnis und beendete ihr Medizinstudium. Sie wird am 21. März 101 Jahre alt.
Hans Korseck
Schule für Gitarre (Plektrum)
ZM 80223 9,95 EUR
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