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Magazin Archiv Ausgabe Nr. 4 Jahrgang 2001
Willy Czernik: Ernster Komponist mit heiterer Note
Zum 100. Geburtstag und 5. Todestag
Seine Musik war überall. Sie erklang im festlichen Konzertsaal und ertönte aus dem Radio.
Willy Czernik wird in eine wechselvolle Epoche hineingeboren, als er am 24. Februar 1901 als Sohn eines Schriftsetzers und Bandoneon-Spielers in Dresden zur Welt kommt. Schon mit 10 Jahren hat er seine erste Uraufführung, als die Kapellknaben der Dresdener Hofkirche ihrem Landesherrn Friedrich August II. einen von Czernik komponierten dreistimmigen Huldigungschor vorsingen. Er studiert Dirigieren, lernt Klavier und Orgel, Geige und Trompete. Nach verschiedenen Stellen als Korrepetitor, wird Clemens Krauss auf ihn aufmerksam. 1935 holt Karl Böhm den Dirigenten an die heimische Dresdener Staatsoper, wo er fortan als 1. Kapellmeister wirkt. Eigentlich will Czernik lieber mehr Ernste Musik schreiben. Als dann aber seine Werke, wie Ein Künstlerfest, der gehobenen Unterhaltungsmusik erfolgreich werden, geniesst er es aber doch. Obwohl er ahnt, dass ihn diese Erfolge um die Anerkennung als "ernsthafter Komponist" und um einen Eintrag in seriösen Musik-Nachlagewerken bringen werden. Das Werk Dresdener Miniaturen nach Motiven von Friedemund Madaus, das zu den Lieblingsstücken von Albert Schweitzer zählt, wird 1959 uraufgeführt und erscheint bald danach auf Schallplatte. Ab 1960 nimmt Czernik kein festes Engagement mehr an und widmet sich auschließlich dem Komponieren. Kommerziell mit am erfolgreichsten wird der Aufzug der Schildbürger von 1961. Die Kriminal-Ballade Der große Coup findet 1968 großen Anklang. Besonders witzig ist die achtminütige musikalische Beschreibung des kriminellen Verlaufs: Auf dem Weg zum Boss, Planung für den Bankraub, Einsatz der Komplizen, Der Traum vom goldnen Kalb, Die Mitternachtsstunde schlägt, Aufbruch zur Tat, Auf Schleichwegen, Nachschlüssel in Aktion, Das Schloss gibt nach, Durchbruch der Decke, Einstieg in den Tresorraum, Die Schweißarbeit beginnt, Die Stahltür öffnet sich, Im Rausche des Mammons, Die Flucht mit der Beute, Das Auge des Gesetzes, Die Handschellen schließen sich. (Zimmermann) Willy Czernik starb am 6. Januar 1996 in Lämmerspiel bei Offenbach. In einem Nachruf von R.Ph. Ziegler hieß es: "Willy Czerniks Musik weiß noch die Schönheit und Größe der Melodie mit konzentrierter Satz- und Form- kunst zu verknüpfen. Sie zählt zu den Spätgeborenen der Romantik. Sie bleibt ungetrübt davon Musik von Herz und Seele".
Ruth Zechlin: "DAS TRIPTYCHON 2000 IST MEIN BESTES ORCHESTERWERK"
(Ruth Zechlin 2001)
Eigentlich hätte Ruth Zechlin allen Grund, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen: Sie ist eine der namhaftesten und zugleich individuellsten Komponistinnen des 20. Jahrhunderts. In diesem Jahr, am 22. Juni, wurde sie 75 Jahre alt. 1998 ist die gebürtige Sächsin zum katholischen Glauben übergetreten. Schon ein Jahr zuvor hatte sie mit ihrer Komposition TRIPTYCHON begonnen, sie dann aber wieder geändert. "Das TRIPTYCHON 2000 für Orchester entstand in den Jahren 1997-99. Es wurde gezielt geschrieben im Hinblick auf die Jahrtausendwende, welche zugleich 2000 Jahre Christentum bedeutet." Sie hat drei Textstellen herausgesucht, die dem Gedankengang der drei berschriften INFERNO, MYSTIFIKATION und LAUDATE entsprechen. Sie sollen dem Hörer helfen, ihr Anliegen nachvollziehen zu können. So heißt es etwa im INFERNO: "Tobt, ihr Völker! Ihr werdet doch zerschmettert. Horcht auf, ihr Enden der Erde! ..... Was ihr auch sagt, es kommt nicht zustande. Denn Gott ist mit uns." In der MYSTIFIKATION: "O Seele mein, geh aus, Gott ein! ..... Verliere ich mich, so finde ich dich, o überwesenhaftes Gut!". Im LAUDATE schließlich wird Gott gepriesen. Die Uraufführung des TRIPTYCHON 2000 während der Europäischen Festwochen in Passau im letzten Jahr wurde dann auch ein bewegendes und intensives Erlebnis, das wohl vielen Zuhörern als besonders kostbarer Moment in Erinnerung bleibt. (Lienau)
FILM UND MUSIK
Einige Kompositionen werden immer wieder in Filmen verwendet, ohne jedoch als Filmmusik konzipiert gewesen zu sein. In unseren Verlagen gibt es aber auch Werke, die für einen Film komponiert wurden und später im Konzertsaal Einzug hielten. Für den Stummfilm waren fast immer bekannte Komponisten am Werk, gute Begleitmusiken zu schaffen. Der so ziemlich bekannteste Filmkomponist der zwanziger Jahre war GIUSEPPE BECCE. Ein Teil seines Orchester-Arrangements von MOUSSORGSKYS "BILDER EINER AUSSTELLUNG" (RL) gehört zur Originalmusik des Murnau-Stummfilms "Faust" von 1926. 1940 fand die "modernste Uraufführung" des Jahres statt, nämlich im Deutschen Fernsehsender: "Kabinett Fulero" von Doris Riehmer. RIO GEBHARDT schrieb dazu die Musik FULERO (5 Min., ZM). Zum Kriegsende hatte FRIED WALTER die Suite für BERGSOMMER (14.40 Min., ZM) ursprünglich für einen Farb-Film der UFA komponiert. Im Hessischen Rundfunk Frankfurt durfte er sein Werk selbst dirigieren, in vielen Sendern und auch in Konzerten kam seine Musik zur Aufführung. 1950 drehte TOBIS/DEFA den Film "Peter Voss - der Millionendieb", in dem in einer Kirchenszene der 1. Satz "Orientalische Prozession" aus JEAN SIBELIUS BELSAZAR op. 51 (13 Min., RL) eingespielt wird. Ausschnitte aus dem VIOLINKONZERT op. 47 von JEAN SIBELIUS (32 Min., RL) wurden in dem Thriller "Das vierte Protokoll" von Frederick Forsyth aus dem Jahre 1986 benutzt. In den Hauptrollen spielen Michael Caine und Pierce Brosnan. Die SERENADE aus "Die Millionen des Harlekin" von RICCARDO DRIGO (4 Min., ZM) ist ein Evergreen. In den 50er Jahren wurde sie für den Selznick-Film "In einem anderen Land" nach dem gleichnamigen Roman von Hemingway verwendet. Vicco von Bülow ließ die eingängige Melodie in seiner Komödie "Pappa ante portas" von 1990 in einer Szene vom "Mann am Klavier" spielen. Ende der achtziger Jahre produzierte die ARD ihre 13teilige Sendereihe "Wir Deutschen". In Folge 9 diente "Melisandes Tod" aus PELLEAS & MELISANDE op. 46 von JEAN SIBELIUS (insg. 25 Min., RL), einer der dramatischsten Stücke in Sibelius Schaffen, der Untermalung.
Nicolas Medtner und der Musikverlag Zimmermann
Zum 50. Todestag des Komponisten
Im Jahre 1921 rang sich Nicolas Medtner (14.12.1879"13.11.1951) zur Ausreise nach Berlin durch. Als neuer Verleger fand sich die Firma Julius Heinrich Zimmermann, die 1876 in Russland gegründet wurde. Der Verleger-Sohn Wilhelm Zimmermann, späterer Alleininhaber des Verlagszweiges des Musikunternehmens erkannte als erster in Deutschland die Größe von Medtners Musik. Als frühester Prophet des deutsch-russischen Komponisten, brachte er nahezu alle folgenden Werke von ihm heraus. Seine "Vergessenen Weisen" op. 38 sind die ersten Werke, welche Medtner nach der Emigration verlegen ließ. Op. 36 und 37, die im gleichen Jahr auch bei Zimmermann erschienen, waren bereits in der Sowjetunion gedruckt worden.
Alle Werke Medtners wurden in zwei unterschiedlichen Ausgaben produziert. Die eine Edition war für den Verkauf in Deutschland und allen valutaschwachen Län-dern bestimmt, d.h. in erster Linie für die Staaten des ehemaligen russischen Kaiserreiches, der ehemaligen österreich-ungarischen Monarchie, die Balkanstaaten usw. Für den Vertrieb in die valutastarken Länder wurde eine Sußerlich unterscheidbare, besondere Ausgabe der Werke in den Handel gebracht, der feste Preise in englischer Währung zu Grunde gelegt wurden.
Schon 1925 wurde die Verleger-Situation schwieriger. Medtners Werke führten sich nur schwer auf dem europäischen Markt ein. Das lag u.a. daran, dass gerade die moderne Richtung ö la Strawinsky en vogue war. Zudem fand der Verkauf in die valutaschwachen Länder zu sehr unvorteilhaften Preisen statt. Trotzdem lag Wilhelm Zimmermann viel daran, die neuen Werke Medtners auch weiterhin möglichst vollzählig bei sich erscheinen zu lassen. Allerdings litt der Verlag zusätzlich an dem endgültigen Verlust seines in Russland investierten Vermögens, da der russische Zweig des Unternehmens enteignet worden war.
1926 beendete Nicolas Medtner die Arbeit an seinem 2. Klavierkonzert op. 50. Er widmete es Rachmaninov. Im Druck erschien der Klavierauszug Ende 1928, die Partitur erst im folgenden Jahr.
1931 übersandte Medtner seinem Verleger von Zürich aus das Manuskript zu der Sonate op. 53 No. 1. Wilhelm Zimmermann antwortete mit einem zögernden Hinweis, dass er, bevor etwas graviert werden könne, zu-nächst die Entwicklung der finanziellen Situation abwarten müsse. Einige Monate später schließlich sandte er das Autograph zurück und erklärte, dass die Sonate zu umfangreich sei, um Aussicht auf Absatz zu haben. Medtner erfuhr damit zum ersten Mal seit seiner Jugend eine Ablehnung eines seiner Werke und geriet dadurch in eine kompositorische Krise.
1932 wurden die Sonaten op. 53 No. 1 und 2 doch noch in Paris gestochen und von Zimmermann gedruckt. Dass beide Sonaten allerdings wenig Echo in der Öffentlichkeit fanden, hat Medtner sehr geschmerzt, er konnte es sich auch nicht erklären.
Zimmermann forderte Medtner angesichts der schwierigen skonomischen Situation von Komponist und Verlag auf, kleine und nicht zu schwere Stücke zu schreiben. Er versprach sich davon eine Erweiterung des Kundenkreises, denn Medtners Stücke waren entschieden zu schwer für den klavierspielenden Amateur. Medtner hielt von solchen Vorgaben nichts, begann aber doch rasch mit der Komposition seiner "Romantischen Skizzen für die Jugend" op. 54. Er betrachtete sie aber nicht als "echte Früchte" seiner schöpferischen Inspiration, sondern als "Gemüse aus dem heimischen Gemüsegarten als Beilage zum Essen".
Allmählich wandelte sich jedoch die anfängliche Abneigung gegen eine Reduzierung der technischen Anforderungen, denn auch die die Variationen op. 55 und die Sonate-Idylle op. 56 entsprangen dieser Vorgabe, wie Medtner rückblickend selbst bemerkte. Doch insgesamt gesehen trieb Medtner die Vereinfachung nicht besonders weit, die Stücke behielten ihre Tücken und dürften selbst für fortgeschrittene Spieler schwerlich a prima vista zu spielen sein.
Unter der Naziherrschaft wurde die Verlagsarbeit immer schwieriger. Wilhelm Zimmermann wurde als sogenannter "Mischling" von den NS-"Rassegesetzen" bedroht. 1940 wurde er aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Durch verschiedene Taktiken gelang es ihm dennoch, seinen Verlag weiterzuführen.
Mit seinem Umzug nach England und den politischen Schwierigkeiten des Zimmer-mann Musikverlages, deren Ende nicht abzusehen waren, beendete Medtner 1937 vorläufig die Zusammenarbeit. Er blieb aber seinem Verleger sehr verbunden.
Wilhelm Zimmermann starb 1946 und seine Witwe, Edith Zimmermann, setzte die Zusammenarbeit mit Nicolas Medtner fort. Zu Medtners Lebzeiten verlegte sie sein 3. Klavierkonzert op. 60, das allerdings erst kurz nach seinem Tod herauskam. Posthum erschien 1955 Nicolas Medtners Klavierquintett.
Wilhelm Zimmermann
9. April 1891 bis 24. März 1946
110. Geburtstag, 55. Todestag 2001
Musikverlag Zimmermann: Zum 125jährigen Jubiläum
im September 2001 ist einiges recherchiert worden und wird einiges geschrieben werden. Interessant ist aber auch eine genauere Beschreibung der zwanzig Jahre, die von der Verlagsübernahme durch Wilhelm Zimmermann 1923 bis zu seinem Tod 1946 und der Neuetablierung des Verlages in der Nachkriegszeit in Frankfurt am Main reichen. Jene zwei Jahrzehnte spiegeln in ihren Einschnitten ein Stück deutscher Firmen- und Zeitgeschichte wider.
Krankheit und Tod
1923 war ein schwieriges Jahr. Der Firmengründer Julius Heinrich Zimmer-mann war sich wohl bewusst, dass er nicht mehr den konzentrierten Bezug zu seinem Unternehmen hatte, wie noch vor dem 1. Weltkrieg, als es der grsßte Musikalienhandel Europas war. Fast alle Bereiche seiner Tätigkeit waren eingebrochen. Die russische Revolution hatte es mit sich gebracht, dass die diversen Musikgeschäfte und Instrumentenwerkstätten enteignet wurden und nur noch das Leipziger Unternehmen übrig blieb. Seit einer schweren Rippenfellentzündung war Julius Heinrich Zimmermann herzkrank und fuhr regelmäßig zu Kuren in Meran oder nach Helgoland. Sein Unternehmen beschäftigte ihn trotz allem bis in die letzte Zeit. Seine Söhne, denen er seine Unternehmen im Jahre 1922 übertrug, waren um ihn. Er starb am 23. April 1923.
Die Nachfolger
Im Testament waren als Alleinerben seine Kinder bestimmt. Er rechnete aber darauf und hatte es so festgelegt, dass seine Söhne August und Wilhelm seine Lebensarbeit fortführen sollten. Die Weiterführung des Verlages übertrug er seinem Sohn Wilhelm. Vom Charakter her war August ein Instru-mentenhändler durch und durch und Julius Heinrich Zimmermann gab ihm daher diesen Zweig des Unternehmens. Beide hatten ihre kaufmännische Ausbildung im väterlichen Betrieb absolviert, August in der Londoner Filiale und Wilhelm im St. Petersburger Hauptgeschäft. Beim Tod des Vaters waren die Sshne 46 und 32 Jahre alt. 1928 kam es zu Erbauseinandersetzungen und Wilhelm Zimmermann führte den Verlag eigenständig weiter. Als wertvollster Mitarbeiter für Wilhelm Zimmermann erwies sich Erich Höffner. Er war von 1929 bis 1961 im Verlag als Lektoratsleiter und Prokurist tätig. Auch die langjährigen Autoren Wilhelm Zimmermanns, Ratgeber und Freunde, zeigten sich als hilfreiche Stabilisatoren, so Nicolas Medtner, Ernst Fischer und Theodor Blumer. Schon 1925 nahm sich Wilhelm Zimmermann der jungen Stilrichtung Jazz an. Das Jazzbuch erlebte einen unvorher-sehbaren Erfolg.
30er Jahre
Wilhelm Zimmermann entschloss sich 1933, den Verlag vorläufig im Hintergrund zu halten und sich nicht zu sehr persönlich zu exponieren. Aufstieg und Fall der von ihm propagierten Jazzmusik war vorgegeben. Sie galt jetzt als "entartet". Wilhelm Zimmermann hatte es schwer, seine Novitäten durchzusetzen und die Slteren Kompositionen und ihre namhaften Autoren von Spielverboten freizuhalten. Er wurde "kalt-gestellt". Die Reichskulturkammer sah ihn mit größtem Misstrauen an und untersagte ihm zunächst die Ausübung einer musikverlegerischen Tätigkeit. Dennoch veröffent-lichte er junge Komponisten der gehobenen Unterhaltungsmusik, was dem Verlagsimage zugute kam. Die rot gefärbten Schulen in Deutsch, Englisch und Russisch waren vom Markt sowieso nicht mehr wegzudenken. Besonders erfolgreich waren Anders, Figaro-Figurinen (1935), Blumer, Divertimento op. 73 (1937), Anders, Eine kleine Kurmusik (1939) und Blumer, Konzertpolonaise op. 84 (1939). Wilhelm Zimmermann hatte früh die Entdeckung gemacht, dass man die Unterhaltungsmusik für den Rundfunk forcieren müsse, um verlegerisch überleben zu können. Auf Rio Gebhardt wurde Wilhelm Zimmermann bereits 1925 aufmerksam; es kam zu einer auf Dauer angelegten Verbindung mit dem Jungkomponisten. In den 30er Jahren erhielt Gebhardt das Etikett "der deutsche Gershwin". So misstrauisch man Zimmermanns Katalog durchkämmt hatte, so wohlwollend sah man auf den neuen unterhaltenden Zweig. Was in jener Zeit erschien, wurde weder verboten noch beschlagnahmt. Er nahm sich Jungautoren wie Fried Walter an. Dass Fried Walter dem Verlag bis zu seinem Tod 1996 treu blieb, lässt sich als Indiz für den besonderen Umgang aller Verlagsinhaber mit den Komponisten werten. Verträge mit Auslandsautoren schloss Wilhelm Zimmer-mann nicht ab, denn die "Unbedenklichkeits"-Anfragen hätten den ganzen NS-Kultur-Apparat in Bewegung gesetzt. Was die anderen Innovationen betrifft, so richtete sich Wilhelm Zimmermanns Interesse auch auf den bisherigen Schwerpunkt des Verlages: Instrumentalschulen. 1941 veröffentlichte er eine neuartige Schule für Plektrum-Gitarre, deren Auflage innerhalb eines Jahres verkauft war. Vor dem 1. Weltkrieg hatte das Gesamtunternehmen 400 Mitarbeiter, der Verlag be-schäftigte bis 1945 nur noch einen Buchhalter, eine Kontoristin, einen Lektor, einen Expedienten und einen Packer. Ehefrau Edith Zimmermann wurde 1944 als "Hilfsarbeiterin" angemeldet. Wilhelm Zimmermann, der 1946 an einem Magengeschwür starb, ist es zu verdanken, dass der Verlag diese kritischen Jahre relativ gut überstanden hat.
Rio Gebhardt: "Pionier der Kunst zu sein ist eine schöne Aufgabe"
Er begann als Dirigier-Wunderkind, spielte später mit weiteren zwei Jazz-Symphonikern am Flügel und arbeitete im Grenzgebiet zwischen klassischer Musik und Jazz: Rio Gebhardt, geboren am 1. November 1907.
Am 27. Februar 1941 spielte das Orchester des Deutschen Fernseh-Rundfunks das "Konzert in Es für Klavier und Jazzorchester" ein. Komponiert hatte es Rio Gebhardt. Es hatte den Glanz eines Tschaikowsky-Werkes und die Rhythmik eines Gershwin-Stückes. Stück und Komponist standen für das Ideal der symphonischen Jazzmusik in Deutschland.
Gewiss, die symphonische Jazzmusik wurde in den USA erfunden. Aber die deutsche Version dieses Stils entstand in Berlin. In Gebhardts Werk stehen swingende Stücke wie die "Improvisation" " nachträglich für kleines Orchester instrumentiert von Klaus Wüsthoff " neben schwermütiger Musik wie der "Arabische Tanz".
Von 1923 bis 1928 studierte Gebhardt Kompositionslehre und die Lehre des Kontrapunkts bei Kurt Weill. Während er mit seinen Kollegen des Ensembles "Ri-Ro-Ru" abends wie wild auf drei Flügeln jazzte und mit knalligen Akkorden und Laufkapriolen brausenden Erfolg erntete, nahm er tagsüber an Vorträgen der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik teil. Gebhardt war der Meinung, ein richtiger, tüchtiger Musiker müsse befähigt sein, sich in beiden so entfernt voneinander liegenden Gebieten zu bestätigen.
Der symphonische Jazz zog damals mit seinem Zauber ein großes Publikum in seinen Bann. Gebhardt fand den richtigen Platz dafür, denn er brauchte eine Location und eine Akzeptanz. Er fand dies 1934 in seiner Funktion als Dirigent des Unter-haltungs- und Tanzorchesters am Norddeutschen Rundfunk und 1937 als erster deutscher Musikbetreuer des Bildfunks überhaupt am Fernsehsender Berlin. Gebhardt entwickelte in dieser Zeit auch einen bemerkenswerten Hang zur gehobenen Unterhaltungsmusik. Über 30 Jahre später wurden viele seiner Werke von verschiedenen Rundfunkanstalten eingespielt. Am 24. Juni 1944 fiel Rio Gebhardt in Russland, im Alter von nur 36 Jahren. Wilhelm Zimmermann, der seine Kunst sehr schätzte, war bestürzt. Er hatte ihn als 17jährigen Jugendlichen für den Verlag entdeckt. Seitdem verlegte er fast alle seine Kompositionen, angefangen mit Klavierwerken ab 1929, über die berühmte Jazz-Klavierschule und fortgesetzt mit Orchester-werken:
| 1932 | Klavierkonzert in Es | | 1933 | Das Schloss an der Adria | | 1934 | Fest der Infantin | | | Exotisches Wiegenlied | | | Maskerade | | | Novellette (Violinromanze) |
| 1937 | Aus der Spielzeugschachtel | | 1938 | Cello-Romanze | | 1939 | Amorette | | | Arabischer Tanz | | | Phantom | | | Improvisation über | | | Schwäbische Volksweisen | | 1941 | Konzert-Ouvertüre | | | Fulero (Fernsehvorspiel) | | posthum | improvisation |
Gebhardts Werk ist für den Musikverlag Zimmermann ein Vermächtnis.
Ruth Zechlin, ein Jahrhunderttalent
Ruth Zechlin (* 22.6.1926) studierte am Leipziger Konservatorium und wurde 1950 Dozentin für Komposition an der Deutschen Hochschule für Musik H. Eisler in Berlin. Ruth Zechlin gehörte zu den führenden Komponisten der DDR. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands fand sie ihre neue Heimat in Bayern. Ihre Werke sind vorwiegend rhythmisch differenziert, wie z.B. in ihren "Stufen für Orchester" WN 235 (14 Min.). Mit dieser Komposition, dem Violinkonzert "Hommage Gysrgy Kurtàg" WN 218 (23 Min.) und dem "Triptychon 2000 für Orchester" (20 Min.) repräsentiert Zechlin die Programm-Fortsetzung des Robert Lienau Musikverlages in das neue Jahrtausend.
Möchten Sie mehr Informationen? Kontakt: Saskia Bieber Musikverlage Zimmermann & Robert Lienau Tel. 069/97 82 86-72 Fax: 069/97 82 86-79
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